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Zeittafel
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75 |
n. Chr. Bis etwa 260 sind die
Römer auf dem Gebiet des heutigen Heddernheim. |
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Bezirkshauptstadt Nida des Civitas
Taunensium. Schon römischer Carneval? |
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802 |
Erste Erwähnung des Ortes
Phetterenheim. |
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1132 |
Ortsname Heidersheim, 1145 Heideresheim. |
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13. |
Jh. Heidersheim, Heydersheim und
andere heitere Namen. |
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1699 |
Gerichtssiegel mit Kaiser Hadrian
in der Bütt. |
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1837 |
Gemeinderechner Schukart kassiert
3 Kreuzer für Tanzmusik an Fastnacht. |
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1839 |
Erster Fachnachtszug anläßßlich
der Erstellung der ersten Gemeindepumpe, als Gemaa-Bumb Symbol
der Heddernheimer Fastnacht. |
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1840 |
Festspielschreiber C.F. Bender
erstmals erwähnt. |
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1850 |
Adolf Stoltze erinnert sich (Humoresken
1900) an die Fastnacht in diesem Jahr |
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1867 |
Ältestes vorhandenes Manuskript
eines Fastnachtspieles von Lehrer Bender: Der grausame Michel
und sein schreckliches Ende. Liederbuch von C.F. Bender
mit Fastnachtslied. |
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1872 |
Ältestes vorhandenes Plakat
AEPPELWEIN - Geschwander. |
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1878 |
Plakat Brenn-Nessel |
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1881 |
Lehrer Bender stirbt. Die Heddernheimer
setzen ihm ein Gedenkstein. |
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1881 |
5. Oktober Gründung der Heddernheimer
Käwwern-Gesellschaft |
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1882 |
Erste durch die Käwwern ausgerichtete
Fastnacht. |
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1883 |
- 1889 Nikolaus Nohstadt Festspiel-Autor. |
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1898 |
Erstmals Teilnahme von Frauen
im Spiel und Zug vorher waren sämtliche Damenrollen
mit jungen Männern besetzt. |
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1904 |
Käwwern halten 25jähriges
Jubiläum (2 Jahre zu früh). |
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1911 |
- 1914 Wilhelm Frey Festspiel
Autor. |
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1922 |
- 1923 40 Jahre Käwwern.
Inflation. Billionen Fastnacht. |
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1926 |
Erste Käwwern-Zeitung nach
dem 1. Weltkrieg. |
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1928 |
- 1934 Festspiel Autoren
Bernhard Barz Hermann Libbach (Bebaheli). |
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1931 |
Gründung Fidele Nassauer. |
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1932 |
Fünfzig Jahre Käwwern,
Jahr der Bescheidenheit. |
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1933 |
Gleichschaltung der Käwwern
(Führerrat usw.) |
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1936 |
Verbot der Fastnacht wegen Linolschnitt
auf der Käwwern-Zeitung, der offensichtlich Hitler mit Narrenkappe
zeigt. |
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1939 |
Nachmals Fastnachtszug |
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1946 |
20. Januar, erste Käwwern-Sitzung. |
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1949 |
Straßen-Fastnacht
alle Straßennamen waren mit närrischen Namen
umbenannt. 11.11 Gründung der närrischen Freien
Reichsstadt Klaa-Paris. |
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1950 |
111. Fassenacht. Der 122jährige
Adam Naaz kommt aus Kanada. |
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1951 |
Gründung Zuggemeinschaft
Klaa-Paris. |
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1952 |
Erster Fastnachtszug nach dem
Krieg. |
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1954 |
Gründung Karnevalgesellschaft
Konfetti. |
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1957 |
Wilhelmus I Wilhelm Wenz
erster närr. Statthalter. |
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1958 |
Erste Funkhaus-Erstürmung. |
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1959 |
Kaiserin Claudia Anna Wenz. |
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1963 |
- 1967 Statthalter Hajo I, Dr. H.J.
Seyffarth. |
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1967 |
- 1976 Statthalter Fritz I, Fritz
Hableib. |
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1969 |
1. Frankfurter Gardecorps
Scharfschützen Konfetti gegründet. |
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1971 |
Konstituierung Historische
Kommission der Heddemer Käwwern. |
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1977 |
-Statthalter Alfons I, Alfons Dresch. |
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1980 |
Stiftung des Damen-Ehren-Orden
Goldenes Lachrös`chen. |
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1982 |
100 Jahre Deddemer Käwwern. |
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1989 |
150 Jahre Fassenacht in Heddernheim. |
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1993 |
111 Jahre Heddemer Käwwern. |
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2003 |
11 x 11 Jahre Heddemer Käwwern |
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2007 |
125 Jahre Heddemer Käwwern |
Die
Präsidenten
| 1882 - 1885 |
Karl Leister |
| 1886 - 1887 |
Hubert Höfeld |
| 1887 - 1888 |
Jean Maag |
| 1889 - 1890 |
Wilhelm Barz II |
| 1891 - 1903 |
Jean Müller |
| 1903 - 1905 |
Erhard Plätz |
| 1906 - 1914 |
Wilhelm Port |
| 1914 |
Wilhelm Frey |
| 1914 - 1924 |
Wilhelm Maurer |
| 1924 - 1933 |
Mathias Ritzel |
| 1933 - 1934 |
Wilhelm Schmidt |
| 1935 |
Louis Müller |
| 1936 - 1937 |
Heinz Rödding |
| 1938 - 1939 |
Peter Christ |
| 1939 - 1950 |
Johann Heinslitz |
| 1950 - 1953 |
Henry Schwab |
| 1953 - 1955 |
Dr. H. J. Seyffarth |
| 1955 - 1957 |
Reinhard Schwab |
| 1957 - 1979 |
Karl Keiner |
| 1979 - 2007 |
Dietmar Pontow |
| seit 2007 |
Harald Beckenbach |
Geschichte der
Heddemer Käwwern
Die Vor-Käwwern-Zeit
Das
Jahr 1839 ist das Geburtsjahr der Heddernheimer Fastnacht mit
dem 1.Fastnachtszug am Fastnachts-Dienstag. Jedoch wurde schon
früher in Heddernheim Fastnacht gefeiert, wie aus dem Cassabuch
des Gemeindeschreibers Schukart hervorgeht, der folgende Eintragung
vornahm: 1837 zahlt die Tanzmusik der Fastnacht mit ---
3 k (Kreuzer). Die gleiche Eintragung findet sich auch
für das Jahr 1839.
In
seiner Chronik von 1932 zur 50-Jahr-Feier der Heddemer Käwwern
schreibt Käwwern-Präsident Jean Müller: Die
Hauptfeiertage in Heddernheim waren von jeher die Heddernheimer
Kerb und die Fastnacht. Letzteres wurde schon
von Alters her würdig gefeiert. Dieses ist wohl darauf zurückzuführen,
dass Heddernheim früher zu Kur-Mainz gehörte,
wo der Fasching schon vor mehr als 100 Jahren in besonderer Blüte
stand.
Kehren
wir zurück in das Gründungsjahr 1839. Anlaß für
den 1. Fasnachtszug war der Bau einer Gemeinde-Pumpe, im Volksmund
Gemaa-Bumb genannt, gegenüber der damaligen
Schule in der Langgasse, heute Alt-Heddernheim. Bis
dahin waren im Ort nur Ziehbrunnen im Gebrauch, deshalb wurde
diese Neuerung allgemein bestaunt und bewundert.
Im
Scharfen Eck, damals noch eine kleine niedrige Wirtschaft
am Eingang des Ortes, wurde eine Gemeinde-Pumpe gezimmert und
dann am Fastnacht-Dienstag-Mittag im Triumph durch die Strassen
Heddernheims gefahren. Das war genau ein Jahr nach dem 1.Mainzer
Fastnachtszug. Lange Zeit wurde nun am Fastnacht-Dienstag stets
etwas veranstaltet, ohne das ein eigentlicher Verein bestand.
Hier sind sich die alten Chronisten nicht ganz einig, denn nach
mündlichen Überlieferungen soll eine Karnevalsgesellschaft
in Heddernheim bestanden haben, die sich allerdings in den Revolutionswirren
des Jahres 1848 auflöste.
Der
Fastnacht-Dienstag in Heddernheim war somit geboren.
Diesen hielt man auch später fest, wahrscheinlich, um dem
Mainzer Rosenmontag keine Konkurrenz zu machen.
An
der damaligen Volksschule unterrichtete ein Lehrer, C. F. Bender,
der von 1840 - 1852 den Gesangsverein Frohsinn dirigierte.
Dieser Lehrer Bender entfaltete eine überaus rege Tätigkeit
in der Heddernheimer Fastnacht und muß als Nestor derselben
bezeichnet werden. Er schrieb viele Fastnachtsspiele und Fastnachtslieder.
In seinem handgeschriebenen Liederbuch von 1867 findet sich das
erste Narrenlied Herbei du närrisch Publikum, herbei
zum Narrenfest. In den siebzige Jahren des vorigen Jahrhunderts
existierten zwei sogenannte Fastnachts-Gesellschaften in Heddernheim,
das Aeppelweingeschwader und die Brenn-Nessel.
Deren Gründungsjahre sind nicht mehr bekannt, aber es steht
fest, dass Lehrer C. F. Bender die Brenn-Nessel bis
zu seinem Tode in Jahr 1881 leitete. Alles, was sich so im Laufe
eines Jahres in der Gemeinde ereignet hatte, wurde am Fastnacht-Montag-Abend
mit der großen Schelle bekanntgegeben. Fiel einmal der
übliche Zug am Dienstag aus, wurde dafür im Saale des
Deutschen Hofes jeweils ein närrisches Festspiel
aufgeführt. Mit dem Tod von C. F. Bender verlor die Brenn-Nessel
Kopf und Seele ihrer Gesellschaft und sie löste sich auf.
Die Gesellschaft Aeppelweingeschwader muß es
zu diesem Zeitpunkt nicht mehr gegeben haben. So schreibt Jean
Müller in seiner Chronik: Mit dem Ableben des Herrn
Bender lag feierliche Stille auf dem heimatlichen Fluren. Heddernheim
hatte seine Fastnacht, die jungen Leute ihren höchsten Feiertag
verloren. Sie ließen die Köpfe hängen. Ihre Augen
waren verschleiert.
Heddemer Käwwern von 1881 - heute
Ein Verein wird geboren
Die
Geburtsstunde der Käwwern ist der Nachkerwe-Montag im Jahr
1881. Doch lassen wir Jean Müller noch einmal zu Wort
kommen:
So
saßen denn auch wieder einige dieser Bedauernswerten auf
Heddemer Nach-Kerwe-Montag-Abend im Garten des Römer-Kastell,
alias Rote Männche. zum besseren Verständnis
- damals dauerte die Kirchweih noch volle 8 Tage. Die feierliche
Beerdigung der Kerb war von den Genannten mit besorgt
worden und sie saßen nun in trauriger Rührung, ähnlich
dem Hannibal auf den Trümmern Karthagos da.
Sie gedachten mit unsäglicher Wehmut, dass es nun ein volles
Jahr dauerte, bis sie sich wieder mal so richtig austoben konnten.
Plötzlich rief einer von ihnen: Ich habb`s! Ich habbs`s!
merr mache widder e Fassenacht, merr gründe en Fastnachts-Verein!.
Ein Blitz aus heiterem Himmel hätte nicht besser zünden
können, als dieser einfache Ausruf. Alles von den anderen
Tischen kam auf den Ausrufer zugestürzt. Man umringte den
Heilsverkünder, hob ihn auf die Schultern und ließ
ihn hochleben. Und fünf Minuten später waren die Heddemer
Käwwern geboren.
In
der ersten Zusammenkunft der 43 Gründungsmitglieder am 5.
Oktober 1881 wurde die Gründung beschlossen und der Verein
auf dem Namen Heddernheimer Käwwern-Gesellschaft
getauft.
Die
Gesellschaft sollte eine periodische sein und jeweils
nach Neujahr die ersten Mitglieder-Versammlung stattfinden. Dazu
kamen am 1.Januar die obligatorischen, närrischen Montagsversammlungen,
in denen auch die Vorbereitungen für den Fastnachts-Dienstag
getroffen wurden. Nach Fastnacht sanken die Käwwern wieder
in den Winterschlaf. Der erste Vorstand bestand aus den Herren
Karl
Leister, Präsident
Heinrich Dörr, Schriftführer
Heinrich Boch, Kassierer
Joh. Daniel Schmidt, Ersatzmann
Jean Kitz, Inventar-Verwalter
Alle
die Posten wurden später dann verdoppelt. Die Vereinsgründer,
die am 5.Oktober 1881 den Verein aus der Taufe hoben, werden
wohl den Meisten heutzutage nichts mehr sagen, aber diese Männer
sind der Ursprung des Vereins und mit Ihnen begann die Geschichte
der Heddemer Käwwern:
Bernhard
Barz, Valentin Bayer, Heinrich Boch, Nikolaus Carillon, Georg
Donnahl, Heinrich Dörr, Ludwig Dübel, Friedrich Franke,
Heinrich Fuchs, Jakob Fuchs, Christian Fuchs, Wilhelm Fuchs,
Johann Heiderich, Christian Heil, Anton Heilmann, Bernhard Heislitz,
Frans Hermann, Hubert Höfeld, Franz Jamin, Jean Kitz, Leopold
Kaufmann, Karl Leister, Jakob Libbach, Johann Löffler, Heinrich
Maag, Jean Maag, Johann Maurer, Christian Maurer, Konrad Meister,
Hartmann Müller, Josef Müller, Heinrich Nagel, Nikolaus
Nohstadt, Johann Ritzel, Peter Romeiser, Johann Daniel Schmidt,
Heinrich Schulz, Jakob Sieben, Johann Simon, Eduard Stein, Adam
Streitenberger, Karl Wißmath.
Der
Vereinsname änderte sich in der Zeit, als alle Firmen anfingen,
sich mit Abkürzungen zu präsentieren. Aus dem alten
Taufnamen wurde ganz ein einfach Heddemer Käwwern.
Die Käwwern von 1882 - 1945
Die
närrische Tradition der Heddernheimer Fastnacht wurde von
den Heddemer Käwwern natürlich so fortgesetzt, wie
es in den vorherigen Jahren üblich war. Von der Brenn-Nessel
wurde das Ausschellen am Fastnacht-Montag-Abend übernommen.
Damit wurde erst gebrochen, als die erste Käwwern-Zeitung
erschien.
Dienstag
Mittag war die Hauptsache das Festspiel mit dem anschließenden
Fastnachts-Umzug. Frühmorgens wurden die Heddernheimer Bürger
musikalisch geweckt und auf den großen Tag vorbereitet.
Und dann strömten die närrischen Heerscharen zum Festspiel
auf die Wiesen. War dieses vorüber, setzte sich der Fastnachtszug
in Bewegung und defilierte durch die Straßen des Ortes,
begeistert begrüßt vom närrischen Volk aus nah
und fern. Und wenn dann die vielen Wagen und Wägelchen,
die aus dem vorderen Taunus hierher gekommen waren, sich am Ende
des Zuges anreihten, kannte der echte, von Herzen kommende Jubel
keine Grenzen. Die Gaststätte Nassauer Hof war
bis kurz nach der Jahrhundertwende die Narhalla der Käwwern.
Dort wurden alle Veranstaltungen abgehalten, eine Damensitzung
fand noch 1908 dort statt, wie ein altes Programm zeigt. Nach
dem Bau einer Turnhalle durch die Turnerschaft 1860 Heddernheim
zogen die Käwwern dann in den größeren Saal um.
Für den närrischen Regenten, der mit seinem Prunkwagen
die Hauptgruppe des Fastnachtszuges darstellte, war die Aufstellung
einer Prinzengarde erforderlich, die meist aus gedienten Soldaten
zusammengestellt und eigens für die Fastnacht geschult würden.
Im
Jahr 1890 zogen die Käwwern zum erstenmal vom Hauptbahnhof
aus durch die Stadt Frankfurt, wie der Chronist Jean Müller
berichtet:
Mit
den Jahren entwickelte sich die sogenannte Rekruteneinholung
am Fastnacht-Sonntag immer mehr. Im Jahr 1890 zogen wir zum erstenmal
vom Hauptbahnhof aus durch die Stadt Frankfurt. Das war für
die Stadtkinder ein noch nie da gewesenes,. Viele rannten sogar
bis zum Diakonissenhaus der Dampfeisenbahn, alias Knochenmühle
nach. Hier passierte uns einmal ein Späßchen, das
man mit gutem Gewissen als ein Vorläufer zur Köpenickiade
anführen darf. Als wir nämlich mit klingen dem Spiel,
der Präsident Jean Müller, hoch zu Roß an die
Hauptwache kamen, rief dieser mit Stentorstimme Augään
rächts!, worauf der nichtsahnende Posten aus Leibeskräften
Herrraus! rief. Die ganze Wache trat ins Gewehr,
die Trommel wirbelten und - der tapfere Reitersmann und Herrführer
schlitzte aus. Ein armer, einen Leutnant darstellender Käwwer
wurde, weil er Offiziers-Achselklappen an seinem Fastnachtshabit
hatte, als Sündenbock notiert. Die Hauptwache war damals
noch Staatseigentum und mit Soldaten belegt.
Dieser
Käwwern-Leutnant war Julius Grünewald, der als erster
Hauptmann der Garde in der Käwwern-Geschichte aufgeführt
wird. Die Nachfolge als Garde-Hauptmann übernahm dann Heinrich
Bringmann und später für viele Jahre Karl Stamm.
Diese
Rekruteneinholungen wurden stets am Fastnacht-Sonntag abgehalten
und bildeten den Auftakt zu den drei närrischen Tagen. Am
Eingang des Ortes wurden die Rekruten oder was die Abzuholenden
darzustellen hatte, vom närrischen Magistrat in huldvollen
Reden empfangen. Darauf gaben einige der Ankömmlinge Antwort
und dann ging es mit großer Kapelle durch die Straßen
Heddernheims. Am Nassauer Hof war dann die Vereidigung
der närrischen Garde.
Seit
einigen Jahren gab es zwar die Straßenbahn, die das Publikum
an Fastnachtdienstag zum Fastnachtszug beförderte, doch
es war als Verkehrsmittel unzulänglich. Deswegen machten
die Käwwern eine Eingabe an die Eisenbahn-Direktion Kassel
mit der Bitte, man möge doch den Zug, der um 2 Uhr in Frankfurt
abging, am Fastnachtdienstag auch in Eschersheim halten lassen.
Dies wurde stets gewährt und ab 1902 hielt er sogar täglich.
Es wechselten
die Vereins-Präsidenten, aber die Fastnacht wurde gefeiert,
wie es die Tradition gebot. Im Oktober 1904 feierten die Käwwern
ihr 25-jähriges Jubiläum in kleinem Rahmen, zwar 3
Jahre zu früh, aber sie feierten. Abends war Kommenrs und
die anwesenden Gründungsmitglieder wurden mit Ehrendiplom
bedacht. Festreden wurden von dem damaligen Bürgermeister
Wenzel und den Herren N. Nohstadt und H. Boch gehalten, dann
ging es zum gemütlichen Teil über. Erst der 1. Weltkrieg
unterbrach das närrische Treiben und auch in den Folgejahren
wurde es etwas ruhiger in der Fastnacht. Es gab zwar Damensitzungen,
Maskenbälle und den Rosenmontags-Rummel, aber
keinen Fastnachts-Zug als Höhepunkt der Klaa Pariser Fastnacht.
Das
40-jährige Vereinsjubiläum fand seltsamerweise im Sommer
des Jahres 1923 von 7. - 9. Juli statt, verbunden mit 25-jähriger
Fahnenweihe und Einweihung einer neuen Fahne. Die Feier begann
mit einem Kommersabend am Samstag, am Sonntag erfolgte der große
Empfang auswärtiger Vereine, Abholung der neuen Fahne und
der Festzug. Am Montag wurde nochmal ein kleiner Festzug durchgeführt
und die Feierlichkeiten mit einem großen Schlußball
beendet. Es war die Zeit der Inflation in Deutschland und die
Preise und Kosten wuchsen von Tag zu Tag von Tausend über
Zehntausend bis zu Millionen.
Mit
den Jahren hatte sich inzwischen ein kleiner Fond angesammelt
und man konnte wieder an die Abhaltung eines Fastnachtszuges
denken.
1928
war es dann soweit. An einem schönen Fastnachts-Sonntag
wurde zuerst das Festspiel Die erste vernünftige Völkerbunds-Sitzung,
verfaßt von B. Barz und H. Libbach, aufgeführt und
dann der Fastnachtszug gestartet. Laut Chronik von Jean Müller
waren ca. 40000 Zuschauer in die Narren -Metropole Klaa Paris
gekommen.
Auch
1929 wurde ein Festspiel und der Fastnachtszug abgehalten. In
diesem Jahr entstand übrigens in Frankfurt der 1. Fastnachtszug.
Dazu schreibt Jean Müller:
Und
die Stadtleute sagten sich, was die können, können
auch wir. Wir Käwwern ließen uns dadurch nicht abschrecken
und hielten ebenfalls unseren Zug, nur etwas später. So
konnten Zuschauer des Frankfurter Zugs auch noch unseren mitansehen
und sich einen Vers daraus machen. Wir hatten auch wieder unser
Publikum, wenn auch nicht so viele Tausende. Doch alles ging
befriedigt nach Hause. Und Frankfurt schläft!
1932
war das Jahr des 50. Vereinsjubiläums. Wegen der damaligen
schlechten Wirtschaftslage und der Zeit der Arbeitslosigkeit
wurde das Goldene Jubiläum nur bescheiden gefeiert,
zumal im gleichen Jahr in Frankfurt zwei Großveranstaltungen,
das Deutsche Sängerbundesfest und die Goethe-Feier,
stattfanden. So begnügte man sich mit einem akademischen
Akt mit anschließender Gala-Fremdensitzung. Als 1933 der
große Umbruch mit all seinen Gesetzten, Auflagen und Gleichschaltungen
kam, blieben auch die Käwwern nicht davon verschont. Der
Vorstand mußte umgebildet und ein neuer Präsident
gewählt werden. 1933 und 1934 fanden wieder Festspiele und
Fastnachtszüge in Heddernheim statt. 1935 wurden nur die
üblichen Sitzungen und der beliebte Rosenmontagsrummel veranstaltet.
Für das Jahr 1936 war wieder ein Fastnachtszug geplant,
jedoch die Ausgabe der Käwwern-Zeitung erregte bei den Orts-
und Parteibehörden starkes Missfallen. Die Zeitung wurde
beschlagnahmt und die Verantwortlichen verhaftet. Der bereits
zum größten Teil fertiggestellte Zug wurde verboten.
Hierauf beschafften sich alte Karnevalisten Landauer und sonstiges
Fuhrwerk und fuhren, schwarz gekleidet und mit umflortem Banner
nach Oberursel, um am dortigen Fastnachtszug teilzunehmen. Heddernheim
war damit kaltgestellt.
Auch
in den nächsten zwei Jahren mußten die Heddernheimer
auf ihren Fastnachtszug verzichten. Es wurden nur Sitzungen und
der Rosenmontagsrummel abgehalten. 1937 veranstalteten die Käwwern
am Fastnachtsamstag eine Sitzung in Anspach/Ts., eingeladen von
Kraft durch Freude. Das Jahr 1939 brachte für
Heddernheim wieder ein großes Jubiläumsfest.
Die
100jährige Fastnacht in Heddernheim wurde mit
einem Riesenprogramm an Sitzungen, Bällen, der Inthronisation
des Prinzenpaares und einem herrlichen Fastnachtszug gefeiert.
Es war eine Höchstleistung der Käwwern und des närrischen
Volkes von Klaa Paris und ein durchschlagender Erfolg. Doch alle
närrische Freunde endete jäh mit dem Ausbruch des 2.
Weltkrieges im August 1939. Es war das Ende für die Fastnacht.
Die Käwwern von 1946 - heute
Als
die Heddemer Käwwern sich nach Kriegsende zaghaft
wiederfanden und Umschau unter ihren Getreuen hielten, da stellte
sich heraus, daß trotz allen Elends und tiefster Niedergeschlagenheit
doch noch genügend Kräfte vorhanden waren, die meinten,
in diesen grauen Tagen Freude und Frohsinn zu spenden. Man entschloß
sich, die fastnachtliche Tradition wieder aufleben zu lassen.
Und so stiegen im Januar und Februar 1946 erstmals wieder Sitzungen
in kleinem, bescheidenen Rahme. Da keine großen Säle
vorhanden waren, wurden die Veranstaltungen zur gleichen Zeit,
einmal im Deutschen Michel, heute Klaa Pariser
Hof und im Nassauer Hof abgehalten. Das bedeutete
für die Vortragenden, daß sie von einem Lokal zum
anderen wandern mußten, um das gleiche Programm an zwei
verschiedenen Stellen darbieten zu können.
Die
erste närrische Veranstaltung fand übrigens am 13.1.1946
in der Kantine der VDM statt. 1947 konnte man dann in einen etwas
größeren Saal ziehen. Es war das Kultur- und Volkshaus
in der Hessestr. Da
dieses Haus der damaligen KPD gehörte, nannte man es im
Volksmund ganz einfach Kreml. Das Gegenstück
stand im Zeilweg, gehörte der Kolping-Familie und wurde
Vatikan genannt. Das Kultur- und Volkshaus faßte
ca. 250 Personen und hatte eine etwas kleinere Bühne. Das
tat der närrische Freude jedoch keinen Abbruch. Alle Sitzungen
waren restlos ausverkauft und mußten wiederholt werden.
Auch das Jahr 1949 brachte Veranstaltungen und Wiederholungen
noch und noch, was für die noch kleine Käwwernschar
viel Mühe und Arbeit mit sich brachte.
Das
Jahr 1949 war wieder ein Jubiläumsjahr. 110 Jahre Heddernheimer
Fastnacht mußte einfach gefeiert werden. Neben den üblichen
Damen- und Fremdensitzungen startete ein origineller Aufmarsch
der Käwwern vom Frankfurter Hauptbahnhof aus durch die Stadt
nach Heddernheim. Groß war die Teilnahme von Fahrzeugen
alles Art, die den Elferrat am Fastnachtsamstag begleiteten.
An diesem Samstag ließen sich die Käwwern etwas besonders
einfallen, die Straßenschilder Heddernheims wurden umgetauft,
da gab es plötzlich einen Brodweh, eine Treppeschißer
Gass usw. Regierungsbeamte aus Wiesbaden kamen und besichtigten
den Käwwernstreich, aber es hatte keine ernsthaften Folgen,
die Überklebung sollten sofort entfernt werden, was dann
auch nach und nach geschah.
Am folgenden
Tag, Fastnachtsonntag, zog dann der erste Fastnachtszug nach
dem Krieg durch die Straßen von Klaa Paris. Eine Fremdensitzung
beendete dieses Tag und der Rosenmontagsrummel die närrische
Saison. Doch die eigentliche Jubiläumsfeier fand am 11.11.1949
statt. Im Kultur- und Volkshaus (Regierungsbaracke) wurde eine
närrische Bürgerversammlung abgehalten und die Närrische
Freie Reichsstadt Klaa-Paris ausrufen. Die Stadt gab sich
eine eigene Verfassung und wählte ihren närrischen
Magistrat mit Henry Schwab als Bürgermeister.
Am 12.11.1949
zog ein pompöser Fackelzug durch die Strassen Heddernheims
zur Geburtsstätte der Heddemer Fastnacht, die Gemaa-Bumb.
Dort wurde eine von Günther Walther modellierte Gedenktafel
enthüllt und der Stadt Frankfurt in treue Obhut übergeben.
Stürmisch begrüßt wurde der Protektor des Jubiläums,
Frankfurts OB Dr. Walter Kolb. Dieser Feierlichkeiten wurden
von Hess. Rundfunk übertragen und machte die Käwwern
weit über Frankfurt hinaus bekannt.
Weiter
Jubiläums-Veranstaltungen fanden auch in der folgenden Saison
statt. Bereits am 1.1.1950 wurde eine Jubiläums-Damensitzung
abgehalten, der eine Wiederholung , ein Maskenball und Fremdensitzung
folgte. Die Jubiläumsfeier mit vorausgehendem akademischen
Akt und Gratulationscour fand am 12.2.1950 statt. Es gab Geschenke
aller Art und natürlich auch Geldspenden, die die schmale
Käwwernkasse gut auffüllte. Am Fastnachtsamstag startete
der traditionelle Rekruteneinzug vom Frankfurter Hauptbahnhof
aus. Einen besonderen Gag hatten die Käwwern schon monatelang
vorbereitet und in der Öffentlichkeit publiziert. Man hatte
in Kanada einen 122-jährigen Bürger mit Namen Adam
Naaz ausfindig gemacht, der als Kind die Brunnenweihung 1839
miterlebt hatte und später nach Kanada ausgewandert war.
Dieser wollte sich das Jubiläum nicht entgehen lassen und
war mit Gefolge auf dem Frankfurter Flughafen angekommen. Er
wurde jubelnd empfangen und gebührend nach Klaa-Paris geleitet.
Dieser herrliche Einfall, der viel Heiterkeit erzeugte, stammte
von Hermann Libbach, der den Adam Naaz auch überzeugend
darstellte. Mit einem großen Fastnachtszug am Fastnachtdienstag,
den über 100 000 Menschen sahen, dem Rosenmontagsrummel
und einem Schlußball wurde das Jubeljahr beendet. Im gleichen
Jahr fanden die ersten Versuche statt, eine engere Zusammenarbeit
mit dem Club Fidele Nassauer für die Ausführung
des Fastnachtszuges zu finden. Doch es sollte noch zwei Jahre
dauern, bis sich eine Arbeitsgemeinschaft dafür fand.
1950
wurde die alte Vereinssatzung überarbeitet und von der Mitgliederversammlung
auch verabschiedet. Die Saison 1950/51 begann mit einer Eröffnungssitzung
am 11.11.1950 in der wieder aufgebauten Turnhalle der Turnerschaft
1860 Heddernheim. Sowohl beim Aufbau wie auch beim Festzug der
Turnerschaft hatten sich die Käwwern zahlreich beteiligt.
Die Turnhalle ist bis heute die Narhalla der Heddemer Käwwern.
In den Jahren 1951 - 1956 wurden unzählige Veranstaltungen
von den Käwwern abgehalten, nicht nur in Heddernheim, sondern
auch in der näheren und weiteren Umgebung. Pro Saison bis
zu sieben Damen- und Fremdensitzungen, bis zu sechs Maskenbällen
und der Rosenmontagsrummel. Dazu kamen Sitzungen in Bingen (1952,
1954, 1955 mit einem Sonderzug der Frankfurter Rundschau), in
Walldorf (1954), in Zellhausen, Steinheim, Heldenbergen, Neu-Isenburg
(1955), Gemeinschafts-Sitzungen mit den Bernemer Käwwern
(1955 im Althoffbau, 1956 in der Turnhalle Sandweg). 1953 erfolgte
die Gründung der Zuggemeinschaft Klaa Paris mit den Heddemer
Käwwern und dem Club Fidele Nassauer. 1. Vorsitzender wurde
Wilhelm Fischer. 1952 wurde der Kreppelkaffe der Käwwern,
eine Sitzung für Kinder, ins Leben gerufen. Initiator dieser
Kindersitzung war W. Nast mit Unterstützung der Grundschule
Heddernheim unter Rektor Jung.
Im gleichen
Jahr wurde die Prinzeßgarde der Käwwern gegründet.
Hauptmann der Garde war zu dieser Zeit Heinz Grommet. Die Leitung
der Prinzeßgarde übernahm Inge Leussler, Die Vorgänger
von H. Grommet als Garde-Hauptmann waren Karl Brauburger und
Heini Amthor. Durch den Frankfurter Zug entfiel der historische
Rekrutenmarsch durch Frankfurt, jedoch wurde die Rekurteneinholung
nicht eingestellt. Ausgangspunkt war jetzt der Eschersheimer
Bahnhof. Die Strecke war zwar kürzer, aber die Tradition
blieb gewahrt. 1953 übernahmen Otto Hild und Anna Wenz das
Kommando der Prinzen- und Prinzeßgarde. 1954 wurde Prinzen
und Prinzeßgarde der Käwwern die offizielle Prinzengarde
des Frankfurter Prinzenpaares. 1955 wurde dann Heinz Migram Hauptmann
und Kommandeur der Garde. Übrigens wurde Anfang der 50er
Jahre die Kopfbedeckung der Garde, der friziansiche Spitzhelm,
durch einen Dreispitz ersetzt. 1956 stiftete Wilhelm Wenz der
Prinzen- und Prinzeßgarde eine neue Standarte.
Das
Jahr 1957 brachte wieder ein großes Jubelfest für
den Verein. 75 Jahre Heddemer Käwwern wurde gebührend
gefeiert. Ein kleiner Wermutstropfen war der Ausfall der ersten
Jubiläumsveranstaltung im Nov. 1956 wegen der damaligen
Weltkrise (Suez-Kanal, Ungarn), doch die Veranstaltungen von
Jan.-März 1957 wurden mit großem Erfolg durchgeführt.
Vier Damen- und Fremdensitzungen, eine akademische Feier mit
anschließender Jubiläumssitzung am 17.2., der Kreppelkaffee,
der Rosenmontagsrummel und der Kehraus nach dem Fastnachtszug
standen auf dem Programm. Ehrenpräsident war der frühere
Käwwernpräsident Johann Heislitz, die Sitzungen leitet
zum größten Teil, wie bereits 1955/56, Heinz Schumacher,
der vielen vielleicht noch als Schlagertexter bekannt ist. Leider
hatten die Käwwern in diesem Jahr einen großen Verlust
zu erleiden. Am 9.1. starb Hermann Libbach, dem die Käwwern
und die Heddernheimer Fastnacht so unglaublich viel verdankte,
Natürlich waren die Käwwern nicht nur in der Fastnacht
aktiv, es gab auch zwischendurch viele Treffen der einzelnen
Gruppen, gemütliches Beisammensein und Fahrten des Vereins
und des Vorstandes in den Spessart (1953) und ins Ahrtal (1955).
1957 übernahm Karl Keiner die Führung des Vereins und
leitete die Geschicke der Heddermer Käwwern über 20
Jahre. Neben den üblichen Veranstaltungen gemacht, mit anderen
Vereinen Gemeinschaftssitzungen durchzuführen. Dies gelang,
zumindest bis in die 60er Jahre, mit Erfolg. 1959 fand die erste
Gemeinschaftssitzung mit den Fidelen Nassauern und
Konfetti statt. Veranstaltungen mit den gleichen
Vereinen erfolgten in den Jahren 1960 - 1963, wobei die Veranstaltungen
im Jahr 1962 als Eröffnungssitzungen am 11.11. stattfand.
Dazu kamen Gemeinschaftssitzungen mit den Bernemer Käwwern
am 3.2.1962 im Palmengarten, am 7.2.1965 in der Turnhalle im
Sandweg sowie eine geteilte Sitzung (Palmengarten/Turnhalle)
am 29.1.1966. Im gleichen Jahr, am 12.2.1966, waren die Käwwern
auch in der Siegerlandhalle in Siegen und veranstalteten dort
eine närrische Sitzung. Auf Grund des großen Erfolges
dieser Veranstaltung erfolgte am 7.1.1967 wiederum eine Käwwern-Veranstaltung
in Siegen. Eine Sitzung mit der freiw. Feuerwehr in Ruppertenrod
stand 1968 ebenfalls auf dem Käwwernprogramm.
Am 25.1.1969
wurde gemeinsam mit den Kleintierzüchtern eine Sitzung in
der Turnhalle abgehalten. Anfang der 60er Jahre waren unsere
Karnevalisten zusätzlich in jedem Jahr auch in Rimbach/Odenwald,
eingeladen vom dortigen Verkehrsverein.
Aber
auch außerhalb der närrischen Jahreszeit wurde gemeinsam
mit anderen Vereinen gefeiert; am 4.10.1967 ein Beat-Abend der
Garden von Fidele Nassauer und Käwwern,
1968 ein Frühlingsfest mit der Turnerschaft 1860, dazu die
gemeinsame Kerb mit den Turnern in den Jahren 1968 und 1969.
Tragische Ereignisse überschatteten im Jahr 1962 das närrische
Treiben. So mußte der Fastnachtszug wegen der Hochwasser-Katastrophe
in Hamburg ausfallen und die Ehrensitzung wurde wegen eines Grubenunglücks
an der Saar auf einen anderen Tag verlegt.
In der
Mitgliederversammlung von 1961 wurde eine Beitragserhöhung
beschlossen, DM 12,- pro Einzelmitglied und DM 6,- für Jugendliche.
Bei der Mitgliederversammlung von 1962 wurde eine Satzungsänderung
wegen der bis dahin üblichen jährlichen Vorstandswahl
auf einen zweijährigen Wahlmodus abgelehnt, jedoch bei der
folgenden Mitgliederversammlung 1963 zugestimmt und beschlossen.
1966
wurde die kleine Garde der Käwwern gegründet. Die Leitung
der kleinen Gruppe, die zuerst aus wenigen Kindern bestand, übernahm
Ursula Bröckl.
Doch
zwei Jahre später waren es bereits über 50 Kinder und
wurden als die Micky Mäuse über die Grenzen
Heddernheims hinaus bekannt. Sie tanzten sich in die Herzen des
Publikums und waren sehr erfolgreich. Auf dem Programm stand
nicht nur die Fastnacht, sie traten in Altenheimen auf, auf Kinderfesten
im Zoo und waren 1973 sogar im ZDF zu sehen. Ein weiterer Höhepunkt
der Kleinen war die Teilnahme an der Tanz- Europameisterschaft
in Aachen. Einen Wechsel im Garde-Kommando gab es 1969. Manfred
Schmidt, der bereits Anfang der 60er Jahre schon als Kinderpräsident
den Kreppelkaffee leitete, übernahm das Kommandeursamt von
H. Migram.
Die
70er und 80er Jahre waren Jahre der Beständigkeit. Die Veranstaltungen
der Käwwern liefen stets mit gutem Erfolg, zwar gab es bei
manchen Veranstaltungen einen rückläufigen Besuch,
so wurde der Rosenmontag fallengelassen, aber es war nicht nur
ein Problem der Heddemer Käwwern, sondern bei allen Karnevalvereinen
zu sehen. Die wilden 50er und 60er mit unglaublichen Publikumsandrang
in den Sälen war vorbei und die Konkurrenz des Fernsehens
mit Übertragungen von professionellen Fastnachtsveranstaltungen
aller Art schlug sich bei den meisten Vereinen negativ nieder.
Doch
die Käwwern ließen sich wieder mal etwas einfallen.
1971 wurde die HKK (Historische Käwwern-Kommission) gegründet,
die es sich zu Aufgabe machte, historische Figuren aus Heddernheim
auszugraben und zu ergründen. So wurde der erstaunten Welt
zum Beispiel der Erfinder des Sauerkrauts, ein Heddemer Bürger
namens Hektor-Andrea Sauer, präsentiert. Im 1972 war es
Frau Annette-Ursula Appel, bekannt auch als Frau Rauscher,
dann folgte 1975 Fräulein Grete Barz als das Gretchen
aus Goethes Faust, hier fiel sogar der Baedeker herein, der es
als Sehenswürdigkeit in seinem Frankfurter Reiseführer
1976 anpries.
1976
gelangte dann Balthasar (Balzer) Krepp als Erfinder der Kreppsohle,
des Kreppels und des Krepp-Papiers zu Ruhm und Ehren. Danach
folgen: Friseur Peter R. A. Strubel als Struwwelpeter
(1977), Helene Fromm als Fromme Helene (1978), dann
wurden römische Ausgrabungen vorgeführt, der goldene
Elefant (1979) und die Grie Soß (1980).
Initiatoren dieser Spaßes waren W. Nast und Heinz Müller.
In schlechter
Erinnerung ist vielen das Jahr 1970. Durch einen schweren Sturm
wurden kurz vor dem Fastnachtszug viele schon aufgerüstete
Wagen stark beschädigt und mußten in aller Eile ausgebessert
werden. Neben den üblichen Veranstaltungen wurde 1973 eine
Sitzung als geschlossene Sitzung für den Fachverband Güternahverkehr(Kraftverkehr
durchgeführt. Im gleichen Jahr fand ein Ausflug des Vorstandes
und des Elferrates in der Pfalz (Trifels) statt. In den Folgejahren
wurden auch Ausflüge nach Greifenstein durch die Garde und
den Vorstand organisiert.
1976
gab es wieder einen Wechsel im Garde-Kommando. Helga Schmidt
wurde Nachfolgerin von A. Wenz. Sept 1977 wurde die erste Saalkerb
unter dem Motto Käwwern, Kerb und Eppelwei in
der Turnhalle unter eigener Regie veranstaltet. Der Anstoß
zu dieser Veranstaltung kam aus der Prinzengarde, die die Heddemer
Kerb wieder aufleben lassen wollten und das bis heute ohne Unterbrechung
mit viel Erfolg durchgeführt hat.
Und
wieder mußten die Käwwern einen großen Verlust
erleiden. 1978 starb Wilhelm Nast, ein großer Karnevalist
und unermüdlicher Fastnachter, der so unendlich viel für
die Klaa Pariser Fastnacht und für die Käwwern geschaffen
hat.
1979
übernahm Dietmar Pontow das Amt des 1. Vorsitzenden und
des Sitzungspräsidenten, nach dem Karl Keiner sich zur wohlverdienten
Ruhe zurückzog. Gleichzeitig übernahm er auch die Leitung
der Zuggemeinschaft, die K. Keiner ebenfalls lange Jahre inne
hatte. Eine große Aufgabe wartete auf den neuen, jungen
Präsidenten, denn das 100-jährige Vereinsjubiläum
stand bevor. 1982 war es dann soweit. 100 Jahre Heddemer Käwwern,
eine stolze Zahl für einen Karnevalverein. Am 16.1.1982
fand die festliche Jubiläums-Veranstaltung in der Turnhalle
statt. Vorausgegangen war ein Empfang der Gratulanten und die
Eröffnung einer Jubiläums-Ausstellung im kleinen Saal.
Schirmherr des Ereignisses war der Frankfurter OB Dr. Walter
Wallmann. Der vorherige Käwwern-Präsident K. Kreiner
übernahm das Amt des Ehren-Präsidenten. Nach der Gratulationscour
begann die eigentliche Veranstaltung mit vielen Gästen:
Horst Franke mit seinem Orchester, Tenor W. Müller von der
Frankfurter Oper, die deutsche Meisterin der Tanzmariechen Angelika
Duhme aus Kassel, Liesel Christ, Margit Sponheimer und die Guggemusik
Sumpfhühner aus Zürich, dazu die Hofsänger
und die Schautanzgruppe der Heddemer Käwwern. Es war für
alle ein unvergeßlicher Abend und setzte die Tradition
der Käwwern-Jubiläumsfeiern lückenlos fort.
Am
Sonntag, den 17.1. fand die große Jubiläumsausstellung
mit Platzkonzert und Frühschoppen statt. Auch die folgenden
Veranstaltungen dieser Saison standen im Zeichen des Vereinsjubiläums.
Vereins
und Vorstandsausflüge fanden auch in diesen Jahren wieder
statt. Ziele waren unter anderem Kitzigen (1985), Idar-Oberstein
(1989) und Heidelberg (1991). 1985 starb der lanjährige
1. Vorsitzende Karl Keiner. Im Juni 1985 fand das 1. Zeltlager
der Prinzen- und Prinzeßgarde in Odersbach/Lahn statt,
das bis heute immer noch Bestand hat. Im gleichen Jahr feierte
Heddernheim sein 1900-jähriges Bestehen. An dem großen
Festzug beteiligten sich auch die Käwwern. 1988 nahmen die
Käwwern am Hessentags-Festzug in Hofheim teil.
1989
hatte das närrische Heddernheim wieder ein Jubiläum,
150 Jahre Fastnacht in Klaa Paris. Aus diesem Anlaß veranstalteten
die Käwwern mit den Fidelen Nassauer am 5.2.
ein Gemeinschafts-Sitzung. Außerdem wurde von der Firma
Lurgi ein Fastnachter-Brunnen gestiftet, die Denkmalsenthüllung
fand am 4.2. am U-Bahnhof Heddernheim in einem feierlichen Festakt
statt.
1990
fielen die meisten Rosenmontagszüge an Rhein und Main schweren
Schneestürmen zum Opfer. Unser Fastnachtszug am Dienstag
fand zwar statt, allerdings nur in stark verkürzter Form,
da die meisten Teilnehmer entweder nicht anreisten oder kurz
vor dem Zug vor dem schlechten Wetter kapitulierten. Im Jahr
1990 fand ein Wechsel im Garde-Kommando statt. Nach langjähriger
Führung durch M. Schmidt und Helga Schmidt übernahm
nun Thomas und Andrea Dresch die Leitung der Garde.
Die
Fastnacht-Kampagne 1991 fiel wegen einer politischen Weltkrise
(Golfkrieg) aus. Dies betraf nicht nur die Käwwern, sondern
viele Karnevalvereine in Deutschland. Es gab ab Mitte Januar
keine Sitzungen, Bälle oder Fastnachts-Umzüge mehr.
Käwwern-Zeitung und Vereinsnachrichten
1889
erschien die erste Käwwern -Zeitung. Sie nannte sich noch
Heddernheimer Fastnacht-Dienstag-Zeitung ,,, ein carnevalistisch-humoristisches
Organ für alle Narren. Von 1890 an erschien sie dann einmal
regelmäßig zur Fastnachtszeit, öfter dann auch
zweimal. Sie wurde am Anfang von Heinrich Boch oder von dem damaligen
Präsidenten Jean Müller verfaßt. Der Vorstand
half zumeist bei den Annoncen. Später übernahm dann
ein Presse-Ausschuß die Ausfertigung der Zeitung.
Die Käwwern-Zeitung ist wohl die älteste Zeitung, die
bis heute nicht den Besitzer und Herausgeber gewechselt hat.
Allerdings was sie kein eigentliches Vereinsorgan, interne Vereinsnachrichten
waren und sind auch heute noch recht selten zu finden.
Die
Käwwern-Zeitung ist das Fastnachtsorgan der Käwwern,
in ihr wird das Geschehen in Heddernheim, um Hedernheim und manchmal
auch die große Politik glossiert und in satirischen Artikeln
dargestellt. Lokalepisoden werden heiter an die Öffentlichkeit
gebracht, fröhliche Verse und Prosa zeigen das närrische
Niveau. Zwar hat sich das Bild der Käwwern-Zeitung in über
100 Jahren hin und wieder gewandelt, aber der Inhalt ist immer
der gleiche geblieben. Bis 1914 erschien sie regelmäßig,
dann gab es eine Pause bis zur nächsten Ausgabe im Jahr
1926.
Mit
der Ausgabe von 1936 kam es dann zum großen Knall. Diese
Käwwern-Zeitung zeigte auf der Titelseite zwei Masken, von
denen die eine Maske eine gewisse Ähnlichkeit mit dem damaligen
Staatsmann hatte. Bei den Orts- und Parteibehörden
erregte die Zeichnung starkes Mißfallen.
Die
Zeitung wurde beschlagnahmt und die Verantwortlichen, Redakteur
Karl Heil sowie die Grafiker Hans Jung und Heinrich Geitzhaus,
kamen in sogenannte Schutzhaft. Sie hatten jedoch Glück
im Unglück, denn durch eine Amnestie, durch die Besetzung
des Rheinlandes verfügt wurde, kamen sie nach 14 Tagen wieder
in Freiheit. Selbst in der Londoner Times vom Februar 1936 konnte
man über diesen Vorfall lesen. Es war das letzte Erscheinen
der Käwwern-Zeitung bis zum 2. Weltkrieg.
Auch
nach dem Krieg duaerte es bis 1949, ehe die nächste Ausgabe
erschien. Nach Genehmigung durch die Militärsbehörden
erschien die erste Nachkriegsausgabe am 11.7.1949. Als Herausgeber
fungierte der Käfer-Verlag in der Hedd. Landstr. 13 (Fritz
Reiche und Heinz Migram). Die Frankfurter Neue Presse berichtete
über dieses Ereignis am 21.7.49 und auch der damaliger OB
Dr. Walter Kolb beglückwünschte die Käwwern zu
der Ausgabe.
In
den folgenden Jahren erschien die Käwwern-Zeitung mit bis
zu 6 Ausgaben pro Jahr, doch nach und nach wurde die Anzahl der
Ausgaben pro Jahr wieder auf ein Exemplar reduziert. Verantwortliche
Redakteure waren H. Mingram, H. Libbach, H. Müller, D. Pontow,
D. Birkholz. Zwischenzeitlich wurde immer wieder einmal der Versuch
gemacht, neben Käwwern-Zeitung eine zusätzliche Vereinsinformation
herauszugeben.
So
erschien 1968-1970 die Käwwern-Informationen
(verantw. K. H. Maass) 1971-1973 der Heddemer Käwwern
Kurier (F.Hoffmann) 1984-1986 der Käwwern-Kalenner
(B. Fritz) und ab 1989 das Käwwerche mit zwei
Ausgaben pro Jahr (D. Birkholz).
Festpiele und Käwwern-Theater
Die
närrischen Festspiele entstanden durch den bereits erwähnten
Lehrer C. Bender. Ob es schon vor ihm Festspiele gab, ist nicht
überliefert. Das erste Textbuch von C. Bender datiert aus
dem Jahr 1867 und trägt den Titel Der grausame Michel
und sein schreckliches Ende. Danach folgten von ihm Prinz
Karneval als Narrenkaiser (1868), Verfolgung, Rache
und Versöhnung (1869), Die Narrenrepublik oder
die kleine Schoppen und deren schrecklichen Ende (1872),
Die Räuber (1874), Große schauderhafte
Heldentaten der Weiber von Krähwinkel (1875) und Tannhäuser
oder die Keilerei auf der Wartburg (1881). Erstaunlich
ist, das seine Festspiele mal auf Plakaten der Karnevalsgesellschaft
Brennessel und mal durch das Apfelwein-Geschwader
angekündigt wurden.
Ab
1882 übernahmen die Käwwern die Ausrichtung
der Festspiele. Erster Leiter der karnevalistischen Gruppe Festspiel-Dichter
war Nikolaus Nohstadt (1882-1889). Er verfaßte unter anderem
die bemerkenswerte Stücke Die Hinrichtung, Andreas
Hofer, Civil-Trauung und Kaiser-Krönung,
die alle ungeteilten Beifall fanden. Nach seiner Amtsniederlegung
übernahm Heinrich Boch das Amt des Käwwern-Dramaturgen
und verfaßte für das Jahr 1890 das Festspiel Eine
närrische Wählerversammlung.
Er
hatte schon früher Der närrische Impfzwang
geschrieben. Bis zu seinem Rücktritt im Jahr 1909 entstanden
aus seiner Feder Branntwein-Monopol, Der Prinzenraub,
Käthchen von Heilbronn, Friedens-Konferezn,
Ein käwwerlicher Astronomentag, Fürsten-Congreß,
Eine Audienz gedrückter Handwerker und Kleingewerbetreibender,
Ein Journalisten-Tag, Wilhelm Tell, Eine
Kaiserwahl und Progklamierung, Eine Bauern-Hochzeit
und Ein Gesangswettstreit. Das Festspiel Fürsten-Kongreß
mußte bei der Zensur-Behörde eingereicht werden, von
wo es mit der Bemerkung Solch einen Blödsinn liest
man nicht zurückgesandt wurde. Es wurde aufgeführt.
Nun übernahm Wilhelm Frey die Leitung des Festspiel bis
zum Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914. Seine Festspiele Wallenstein
(1911) und Die Hermansschlacht (1913) waren noch
lange in bester Erinnerung. Nach seinem Weggang nach Eschborn
traten die jungen Mitglieder Bernhard Barz und Hermann Libbach
die Nachfolge an, die Festspiele wie auch der Fastnachtszug ruhten
jedoch bis 1928. Mit dem ersten Fastnachtszug nach dem 1. Weltkrieg
präsentierten die beiden Käwwerndichter das Festspiel
Die erste vernünftige Völkerbund-Sitzung.
Danach folgten Der Schinderhannes (1929), Daubmann
oder der Heimkehrer aus der afrikanischen Wüste (1933)
und Wilhelm Tell (1934). Es war das letzte Freilicht-Festspiel
mit anschließendem Fastnachtszug.
Die
Begeisterung der Käwwern am Theaterspielen war
und ist eine wirkliche Leidenschaft. Bereits im Nov. 1928, zur
Eröffnung der närrischen Saison, führte man das
Stück Hollandmödel auf. Die Tradition des
Theaterspielens wurde auch nach dem 2. Weltkrieg fortgesetzt.
Zuerst begann man mit Stücken, die nicht aus einer Käwwern-Feder
stammte, wie v. B. Familie Hannemann (1951) unter
der Regie von Karl Heil, Die Spanische Fliege (19952)
Regie Otto Kraft, Otto der Treue (1953) und Pension
Schöller. Diese Aufführungen fanden stets im
Sommer statt, da zur Saison-Eröffnung noch eine Auftakt-Sitzung
abgehalten wurde.
1963
starteten die Käwwern mit einem eigenen Theaterstück.
Es war die Posse Käwwern, Kerb un Ebbelwei,
geschrieben von Karl Perotte und C. Münzel. Es gab großen
Beifall und das Stück wurde 1965 noch einmal aufgeführt.
Von Karl Perotte stammte auch Pourquoi Klaa Paris,
das 1966 als Saison-Auftakt über die Käwwern Bühne
ging. Die Regie dieser Theaterstücke lag in den Händen
von Erwin Kester. Vom unvergessenen Wilhelm Nast, der die karnevalistische
Gruppe von 1954 - 1976 leitete, stammen viele herrliche Stücke,
wie Das geplatzte Endspiel (1971), Iwwerfiehrt
(1972), Der Lottokönig (1973), Eheanbahnungs-Institut
Uschi (1974), Die Nachthemdenbande (1975),
Die Erbschleichern (1976) und Driwwer und drunner
(1977). Das Stück Das geplatzte Endspiel wurde
1979, ein Jahr nach dem Tode von W. Nast, noch einmal mit viel
Erfolg aufgeführt.
Die
Nachfolge von Wilhelm Nast trat Werner Fischer an. 1980 debütierte
er mit dem Theaterstück Dreschflegel und Sonnenschein
und begeisterte damit das Publikum. W. Fischer setzte lückenlos
die Tradition des närrischen Käwwern-Theaters fort
mit Wir gründen eine Familie (1981), Ei,
wo ist dann die Sigrid (1982), Das goldene Lachröschen
(1983), Scherzartikel (1984), Die lachenden
Erben (1985), Handkäs mit Musik (1986),
Rauscher und Speierling (1987), Die Römer
un Germane, des sin unser Ahne (1988), Kinner, Kinner,
Kinner (1990), Bei Hutschebebbes (1991), und
Ei verdebbel - Kanonestebbe (1992).
Bis
1989 leitete Heinz Müller als Regiesseur die Aufführungen,
dann übernahm Ellen Aumüller dieses schwierige Amt.
Ab
1994 übernahm Tony Schroll die große Käwwern-Tradition
des Theaterschreibens. Viele närrische Theaterstücke
begeisterten und begeistern das Publikum immer wieder. So schrieb
er: Einsatz in Manheddnem
(1994),
Showtime in Klaa Paris (1996), Hai Nuhn
(1997), Die Apfelblüten-Königin (1998),
Das Erbe von Schloß Heddernheim (1999), Kurklinik
Niddaauen (2000), Rosa Wölkche Nr. Sibbe
(2001) und Tatort Klaa Paris (2002).
Die närrische Herrscher von Klaa
Paris
Zu
jeder Fastnacht gehört auch ein närrisches Regent.
Das ist in Heddernheim nicht anders als in Mainz, Köln oder
sonst wo.
Jedoch
kann wohl keine andere Fastnachts-Hochburg so unterschiedliche
Regenten aufweisen wie Klaa Paris, denn hier gab
es Kaiser, eine Kaiserin, Prinzen mit Prinzessinnen und, bis
heute, Statthalter. Viele der früheren Narrenherrscher sind
heute namentliche nicht mehr bekannt und bis 1898 wurde die Rolle
der Prinzessin Karnveal von jungen Männern, sogenannten
Milchbärten, dargestellt. 1868 wurde erstmals
in Heddernheim ein Narrenkaiser gekrönt. Dieser regierte
bis zum Jahr 1872, dann wurde er in einem närrischen Staatsreich
gestürzt.
Bis
zum Jahr 1889 war Heddernheim ein Narrenrepublik, dann wurde
wieder ein Kaiser gewählt. Diesem Kaiser folgten etliche
Prinzen mit ihren Prinzessinnen, die wie gesagt, bis 1898 noch
männlichen Geschlechts waren. Dem damaligen Präsidenten
Jean Müller gelang es dann, mehre junge Mädchen für
die Rolle der Prinzesinnen und ihrer Hofdame zu gewinnen.
Der
letzte Narrenkaiser wurde im Jahr 1902 gewählt. Er nannte
sich Anton der Schöne und ist alten Heddernheimern
noch bekannt als der Kunstmaler Anton Neiter. Unter seiner Regentschaft
bis zum 1. Weltkrieg lebten die kaiserlichen Heddernheimer närrisch,
glücklich und zufrieden. Danach folgte wieder Prinz Karneval
mit Gefolge. Viele Käwwernprinzen sind namentlich nicht
mehr feststellbar, doch einige können noch genannt werden,
wie H. Bringmann, Jean Weißbecker (1928), der Schornsteinfegermeister
Kichner (1934), Ludwig Frey und Peter Christ (1937), der später
auch Käwwernpräsident wurde.
Das
letzte Prinzenpaar vor dem 2. Weltkrieg waren Reinhard Schwab
und Anna Wenz im 1939. Es war das Jubiläumsjahr zur 100-Jahrfeier
der Heddernheimer Fastnacht.
1949,
zum ersten Fastnachtszug nach dem Krieg, übernahm die närrische
Regentschaft das Paar Julius Stockhausen und Anna Wenz. Das gleiche
Prinzenpaar regierte auch im Jahr 1950. In den Jahren 1951 und
1952 regierten Werner und Marianne Kolb das närrische Heddernheim.
Das Prinzenpaar der Saison 1953 waren Gottfried Schmidt und Ursula
Sender. 1954 folgten Heinz und Emmely Mingram auf den Prinzenthron.
Heinz Mingram wurde später Kommandeur der Prinzen und Prinzeßgarde
der Heddermer Käwwern. 1955 wurde Ursula Sender als Prinzessin
Karneval gekürt und 1956 Heinz und Margot Ulzheimer als
Prinzenpaar.
Zwischenzeitlich
hatte auch Frankfurt ein Prinzenpaar gekürt und deswegen
verzichteten die Käwwern auf dieses Mandat. Weil aber eine
Fastnachts-Hochburg nicht auf einen närrischen Regenten
verzichten kann, entschloß man sich, rückblickend
auf die römische Vergangenheit von Heddernheim, einen Statthalter
an Stelle des Prinzen Karneval treten zu lassen. Und so wurde
Wilhelm Wenz, der bereits Ehrenmarschall war, 1957 als Wilhelmus
I. zum Statthalter von Klaa Paris ausgerufen. Er regierte sein
närrisches Volk bis 1962, unterbrochen nur im Jahr 1959,
als ihn seine Tochter Anna als Kaiserin Claudia wegen Krankheit
vertrat. Sein Nachfolger wurde der vorherige Käwwern-Präsident
Dr. H. J. Seyffarth als Hajo I. 1967 übergab er sein Amt
an Fritz I., mit bürgerlichem Namen Fritz Halbleib. Fast
11 Jahre führte Fritz I. mit seinem Prokurator Hermann Brunner
das närrische Volk durch die 5. Jahreszeit, dann zog er
sich ins Privatleben zurück. Nach seinem Rücktritt
übernahm 1977 Alfons Dresch als Alfons I. die Staatsgechäfte
der Närrischen Freien Reichsstadt Klaa Paris. Unterstützt
von seinem Prkurador Michale Robra. Im Jahre 1999 übernahm
Wolfgang Aumüller als Wolfgang I. das Amt des Statthalters,
an seiner Seite der Prokurator Reiner Hoffmann als Reiner Hectus.
Rund um Bühne und Bütt
Was
wäre ein Verein ohne seine aktiven Mitglieder uns was wäre
ein Karnevalverein ohne seine aktiven Narren, die das ganze Jahr
über planen, denken, schreiben, bauen und vor allen Dingen
helfen und immer zur Stelle sind, nur um für wenige Tage
im Jahr den Menschen Freude und Vergnügen zu bringen. Das
Gelingen der Fastnachtsveranstaltungen hängt in erster Linie
von den die ganze Saison tragenden Kräften ab, wie karnevalistischer
Gruppe, Elferrat, Garde und anderen Idealisten, die unter Hintansetzung
ihrer persönlichen Belange sich ganz in den Dienst der Fastnacht
stellen.
Groß
ist die Liste von Käwwern, die auf der Bühne und in
der Bütt wirkten, und fast unmöglich ist es, all die
Namen aufzuführen, zumal viele im Lauf der Jahre fast vergessen
sind. Dennoch ist es Chronistenpflicht, zu versuchen, diese Namen
in Erinnerung zu halten, soweit es überhaupt möglich
ist.
Zuerst
die Spender von Freunde und Humor:
Erh. Plätze,
Wilhelm Frey, Philip Boch, Wilhelm Bienroth, Hans Christ, Peter
Christ, W. Fischer, Karl Heil, Karl Stamm, Math. Ritzel, Karl
Reuter, Paul Zenkert, W. Schmidt, Karl Schlemmer, Hermann Schneider,
Otto Kraft, Jakob Ochs, Heinz Müller, Wilhelm Nast, Karl
Hofmann, Oskar Krumray, Otto Krumray, Paula Streng, Rolf Ruppel,
Heinz Eid, Margret Hamburger, Hanny Zimmerlein, Lotti Hild, Else
Dörheit, Gerlinde Jung, Lily Mauerer, Walter Both, Günther
Obst, Günter Weber, Ursula Bröckl, Bernh. Klose, W.
Brauburger, H. H. H. Baganz, H. Schneider, Werner Fischer, Horst
Wilhelm, Horst Müller, Adolf Modenbach, E. Regler, Horst
Hiller, Manfred Schmidt, Jeannette Modenbach, K. Schwab, Horst
Walter, Fritz Stürmer, Gerhard + Wolfgang Machner, Helen
+ Hans Kugel, Alexandra Pontow, Alfons Dresch, Ilse Dresch, Sigrid
+ Kurt Mehring, Helga Wolf, Margit Hebe, Hannerlore Prohaska,
Thomas Halbleib, Birgit Alexander (früher Mehring), Thomas
Müller, Tony Schroll, Thomas Dresch, Friedrich Schlegel,
Martina Forler, Jens Becke, Luciano Velardi, Michael Robra, Uli
Repp, Robert Forler, Susanne Schroll, Michaela Guccione.
und
von der Kolping-Familie:
W. Aumüller,
Ewald Block, Franz Stegerwald, Bernd Block, Hans-Joachim. Fischer
Dann die
Hofsänger, die sich 1948/49 als Gesangsgruppe zusammefanden,
mit Heinz Bockenheimer, Hannele und Franz Neßhold, A. Amberger,
Marlene + Rolf Franke, Klaus Bpüttinghausen. Weiterhin die
10ner unter Leitung von Rektor K. Jung.
Nicht
zu vergessen die Prinzeß-Garde mit ihren Garde-Tänzen
und die Schautanz-Gruppe der Käwwern, die sich aus der Prinzen-
und Prinzeßgarde bildete und 1977 zum erstenmal gemischt
auftrat. 1978/79 übernahm Rene Caron-Schmidt die Choreographie
der Schautanz-Gruppe und führte sie in den viele Jahre zu
großen Erfolgen.
Nach dem
Tod von Rene Schmidt übernahm Wolfgang Müller die Choreographie
und mit großen Erfolgen konnte diese Schautanztradition
fortgesetzt werden.
Wer
erinnert sich noch an
Ludwig Frey als Bajazzo,
Philip Jamin als Standartenreiter,
Wilhelm Monti als der Mann mit der Schere,
oder an Serenissimus und Kindermann.
Die
Schalksnarren der Käwwern (nach 1945):
Hanni
Zimmerlein 1949-1952
Margarete Weber 1953-1954
Margarete Hamburger 1955-1958
Brigitte Keiner 1959-1963
Brigitte Krumray 1964-1966
Angelika Branowsky 1967
Anita Dold 1968
Elke Maass 1969-1977
Jutta Birkholz 1978-1980
Anette Galle 1981-1983
Alexandra Pontow 1984-1987
Michaela Pontow ab 1988
War wäre
eine Käwwern-Bühne ohne eine Dekoration. Für die
wunderschönen Bühnenbilder der Käwwern-Veranstaltungen
sorgte (nach 1945) die Dekorations-Gruppe der Käwwern unter
Leitung von August Mahr, Rudi Müller, Otto Breitenbach,
Hermann Müller, Horst Ricken, Karl Petry, Fritz Volk, Richard
Schmidt, Rainer Lorenz.
Und auf
eine Käwwern-Bühne gehört natürlich auch
ein Elferrat, der dazu berufen ist, die Sitzungen zu präsentieren
und die Käwwern zu repräsentieren. Der Ministerpräsident
und zugleich der Vorsitzende ist Dietmar Pontow, ihm zur Seite
steht der Elferrates mit seinem Leiter Fred Elfert.
Dies ist ein kleiner
Auszug aus der Käwwern-Chronik, die selbstverständlich
jeweils mit Neuerungen ergänzt wird.
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